Corona: Wecken falscher Hoffnungen

„Das Virus hat uns gezeigt, wie unglaublich schnell sich unsere vermeintlichen Sicherheiten in Luft auflösen können. Nichts ist mehr planbar, alles wird ständig wieder über den Haufen geworfen, storniert, gecancelled. Schliessungen und Kurzarbeit weiten sich aus. Die Gehälter werden kleiner, die Existenzängste grösser.“ (Schweizer Illustrierte, 27. September 2020) In solchen Situationen ist der Mensch empfänglich für „Lösungen“, die ihm Sicherheit bieten. Dies ist eine gute Basis, um mit falschen Versprechen Profit zu schlagen und Verschwörungstheorien aufleben zu lassen.

So steckt hinter den Narrativen rund um die angepriesenen „Wundermittel“ und Kuren die Absicht, falsche Hoffnung zu wecken, um meist wirtschaftlich Profit zu schlagen.

Fakes um Prominenz als Werbemittel

In dieselbe Richtung zielen über E-Mail-Dienste oder Social Media verbreitete Versprechen von sicheren Anlagen oder garantierten Gewinnen.

Solche Falschmeldungen nutzen oft „Stars und Sternchen“ als Blickfang oder als Testimonials, um auf (meist fragwürdige) Produkte und Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Typische Beispiele sind die „Todesnachrichten über Gottschalk und Gauch“, die auf eine „vielversprechende“ Bitcoin-Handelsplattform verweisen. (Mimikama, 16. September 2020)

Prognosen und Verschwörungstheorien
Ungewissheit und gewagte Prognosen (Shuterstock)

Nicht zu Fake News im engeren Sinn gehören Prognosen von Politikern und Behörden, die falsche Hoffnungen wecken, um die Menschen zu beruhigen oder eine Hysterie zu verhindern, aber nicht auf gesichertem Wissen basieren.
Eine solche Prognose wagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides gegenüber dem deutschen Handelsblatt: „Auch wenn Vorhersagen zum jetzigen Zeitpunkt noch riskant sind, haben wir doch gute Hinweise, dass der erste Impfstoff gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres verfügbar sein wird.“ Gemäss einer Meldung in der Zeitung Cash ist es Wissenschaftlern zurzeit unklar, „wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte. Theoretisch könnte eine Entwicklung auch noch Jahre dauern oder sogar ganz scheitern.“ (Cash. 9. August 2020) Die angestrebte Wirkung bei der Bevölkerung ist zwar lobenswert. Sollten sich allerdings im Nachhinein die Aussagen der Wissenschaft bewahrheiten und sich die politischen Spekulationen als falsch erweisen, verliert die Bevölkerung das Vertrauen in die Politik und die Behörden. Die absehbaren Folgen sind Verängstigung und Verunsicherung, – was ein guter Nährboden für Verschwörungstheorien, unhaltbare Visionen und Vorhersagen ist.