Corona: Tote und Infizierte

Fake Foto: Coronaopfer in Italien  (mimikama.at)

Je mehr die Kurven der „Todesstatistiken“ nach oben zeigen und je häufiger Bilder von Toten, Spitälern, Särgen und Friedhöfen um die Welt zirkulieren, desto grösser wird die Angst, eine der fundamentalen Emotionen des Menschen, die zu irrationalen Haltungen und Entscheiden führen kann. Das Foto (links) von den Särgen, die in Fake News mit Coronatoten in Verbindung gebracht worden sind, zeigen in Tat und Wahrheit Opfer eines Bootsunglücks vor Lampedusa im Jahr 2013 (mimikama.at, 19. März 2020).

Todesstatistiken

Irreführende Statistiken, die auf falschem Zahlenmaterial beruhen, sind selten. Uns ist nur eine bekannt, die mit erfundenem oder geändertem Zahlenmaterial operiert. CORRECTIV hat eine Statistik zu den Opferzahlen verschiedener Todesursachen von Worldometers.info, die über Whatsapp und Facebook im Internet kursiert, als Fake entlarvt (siehe Bild; Correctiv.org, 2. Mai 2020). Hier verfolgt der Autor offensichtlich eine, der Verängstigungsstrategie entgegengesetzte Verharmlosungsstrategie.

Übersicht der Aufstellung zu den Todeszahlen von der Plattform Worldometers.info, die in Sozialen Netzwerken kursiert. (CORRECTIV)

Bei den meisten Statistiken und Bildern rund um diese Thematik handelt es sich nicht um Fälschungen; – sie sind korrekt. Allerdings kann der Kontext und die häufige Thematisierung zu einer verfälschten Wahrnehmung, zu fehlgeleiteten Interpretationen, Spekulationen und Mutmassungen führen, die dann in Echokammern die Runde machen. Ein typisches Beispiel sind die Abbildungen absoluter Fallzahlen in den verschiedenen Ländern, ohne diese mit den Bevölkerungszahlen der Länder zu „relativieren“ im Sinne von „ins richtige Licht rücken“. Dies ist häufig der Fall in „packenden“ Titeln und Leads von Zeitungsberichten oder Internetsites wie dem genannten Worldometer.

„Ins richtige Licht rücken“

Dank des Internet hat jeder User Zugang zu diesen Daten, was aus Sicht der Informations- und Meinungsäusserungsfreiheit an sich begrüssenswert ist. Statistiken allerdings müssen wie sprachliche Texte gelesen werden können, um ein möglichst objektives Bild von der Realität zeichnen zu können. Vorbildlich sind diesbezüglich die aktuellen Publikationen der Corona-Statistiken durch das Bundesamt für Gesundheit BAG: „Bisher starben gemäss den Angaben 1686 Menschen, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner hochgerechnet entspricht das 19,6 Opfern. Das BAG bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis Montagmorgen übermittelt hatten.“ (Keystone/sda, 13. Juni 2020)

Irrtümer & Zeitungsenten

Nicht zu Fake News im hier verstandenen Sinne gehören Falschmeldungen, die nicht bewusst und interessenorientiert zustande gekommen sind. Dazu gehört die Meldung des Schweizer Bundesamts für Gesundheit vom 14. August 2020, wonach ein junger Covid-19-Patient im Kanton Bern gestorben sei. (Neue Zürcher Zeitung, 15. August 2020)

Verfälschung von statistischen Aussagen

Eindeutig zu den Fake News zählen jedoch Verfälschungen von Statistiken und Aussagen zu Todesfällen, um zu verniedlichen oder zu polarisieren, was schliesslich zu Protestaktionen führt. So wird gemäss Mimikama in diversen Videos und Artikeln behauptet, dass die Anzahl der Todesfälle infolge Corona sehr viel geringer ausfalle als in den offiziellen Statistiken angegeben. So kursiert die Behauptung, wonach das CDC „heimlich“ neue Todeszahlen veröffentlicht habe, welche die Anzahl der Todesfälle an COVID-19 signifikant nach unten korrigiert: Nur 6% der registrierten Todesfälle sollen auf das neue Coronavirus zurückzuführen sein. Fazit von Mimikama (3. September 2020): „Das CDC bestätigte zu keinem Zeitpunkt, dass nur 6% aller Todesfälle „wirklich“ an COVID-19 starben, sondern erklärt auf der Seite, dass in 6% aller Todesfälle keine weiteren Erkrankungen auf dem Totenschein angegeben oder bei den Patienten ersichtlich waren.“

Missbrauch von Statistiken und Karten
Gefälschte Corona Karte (t3n.de)

Statistiken und Karten über die Ausbreitung des Coronvirus mit den Todesfällen weisen hohe Besucherzahlen auf. Allen voran steht die Echtzeitkarte der Johns Hopkins Universität. Cyberkriminelle stellen Kopien davon ins Netz, die Malware (wie Azorult) enthalten, um an sensible Daten von Usern zu gelangen (Abbildung oben).