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Fälle Schweiz

Missinterpretation eines Fotos von Wasserständen

In Sozialen Netzwerken kursiert ein Foto von einer Hauswand, an der Wasserstände von Hochwasser-Ereignissen der vergangenen Jahre markiert sind. Der höchste Wasserstand wurde 1852 dokumentiert. Viele Menschen sehen das als Hinweis, dass Hochwasser nichts mit dem Klimawandel zu tun habe.

Wasserstandanzeige in Olten (Quelle: Facebook / Screenshot: correctiv.Faktencheck)

Alice Echtermann erklärt auf der Internetsite von correctiv, wieso das nicht stimmt: «Das Foto stammt aus Olten in der Schweiz. Seltene Ereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen werden nicht direkt durch den Klimawandel verursacht. Sie werden jedoch laut Prognosen mit der Erwärmung der Erde wahrscheinlicher – ebenso wie extreme Hitze und Dürre.» (correctiv, 15. Juli 2021)

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Fälle Schweiz

Moderne Sage: Bezahlt Caritas teure Handys?

Wie 20minuten am 23. Oktober 2015 berichtete, verbreitete R. R. auf Facebook einen Erfahrungsbericht, wonach drei Schwarzafrikanerinnen im Swisscom Shop Globus teure Handys auf Kosten vom Hilfswerk Caritas gekauft hätten. Der Bericht wurde rege geteilt und gelikt. Das Hilfswerk sorgte in der Folge im Facebook für Klarheit: «Wir zahlen keine Handys. Ein/e Asylsuchend/r im Zentrum für Asylsuchende erhält 11.40 Franken pro Tag für alle Ausgaben für Essen, Alltagsartikel, Telefonkosten usw.» (20minuten, 20. Oktober 2015) Gemäss den Recherchen von Gabriel Brönnimann ist auch den Verantwortlichen des Swisscom-Shops kein solcher Fall bekannt. Die Geschichte «Flüchtling kriegt im Laden teures Handy von der Caritas» existiere nicht nur in der Schweiz in zahlreichen Varianten. (20minuten, 23. Oktober 2015)

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Fälle Schweiz

Asylbewerber-Leserbrief «Hätten Sie es gewusst?» verbreitet sich viral im Netz

Auszug aus dem Leserbrief von Elsbeth Kälin (Facebook)

Seit 2013 verbreitet sich ein ursprünglich in der Lokalzeitung «Marchanzeiger» publizierter Leserbrief der Pensionärin Elsbeth Kälin im Netz. Danach stünden in der Schweiz Asybewerbern fast gleich viel Geld zur Verfügung wie Pensionären. Gemäss einem in der Aargauer Zeitung erschienenen Bericht von Daria Wild basiert jedoch das Pamphlet der Rentnerin gegen Sozialhilfebeiträge für Asylsuchende auf falschen Berechnungsgrundlagen: «Doch Kälin rechnet falsch. Der Betrag, auf den sie sich bezieht, ist eine Pauschale an die Kantone pro Asylbewerber und kein Sackgeld. Kleider kriegen Asylbewerber genauso wenig geschenkt wie die Zahnreinigung – der Vergleich mit den AHV-Beiträgen ist an den Haaren herbeigezogen.» (Aargauer Zeitung, 12. Juli 2015)

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Fälle Schweiz

Basler Restaurant Mitte April 2020?

Gartenterrasse in Thun (Datum unbekannt)

Ende April 2021 kursierte im Netz ein Bild mit einer Restaurant-Terrasse voller Gäste. Das Bild soll am 24. April 2020 in Basel aufgenommen worden sein, also in der Zeit, als auch in Schweizer Restaurants aufgrund der Corona-Epidemie Restriktionen galten. Offensichtlich sollte das Foto zeigen, dass – im Gegensatz zu Deutschland – in der Schweiz trotz Pandemie niemand «geknechtet» werde. Gemäss einem Bericht von Alice Echtermann  vom 27. April 2021 (correctiv.org, 27. April 2021) zeigt das betreffende Foto nicht eine Terrasse in Basel, sondern in Thun. Der Zeitpunkt der Aufnahme ist nicht bekannt.

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Fälle Schweiz

Vögel fallen wegen 5G tot vom Himmel

In einem Artikel des Blogs Legitim.ch vom 11. März 2020 wird suggeriert, 5G-Strahlung sei verantwortlich für den Tod von 120 Staren, deren Kadaver in Triboltingen (Kanton Thurgau, Schweiz) gefunden worden sind. So steht etwa im Text, die Vögel hielten „diese Last“ der Strahlung nicht aus und würden „gegrillt“ und innerlich „verbluten“. (correctiv.org)

Correctiv.org hat diese Behauptung als falsch entlarvt: «Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Vögel wegen 5G starben – die zuständige Vogelwarte geht von einem Zusammenprall mit einem Fahrzeug aus.» (correctiv.org)

Die Behauptung, Tiere würden wegen der 5G-Strahlung sterben, ist nicht neu. Till Eckert von correctiv.org: «So sollen in Sierra Madre etwa hunderte Bienen tot vom Himmel gefallen sein, in  Nordwales und Kroatien Vögel. All diese Fälle haben wir bereits in Faktenchecks widerlegt.»

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Fälle Schweiz

Behandeln Schweizer Spitäler alte Menschen nicht mehr gegen COVID-19?

Der Faktenchecker MIMIKAMA (4 November 2020) auf die folgende Twittermeldung als falsch identifizert: «Einige Menschen haben nicht begriffen, dass ihre Grosseltern die 2. Welle nicht überleben werden. Die Triage-Richtlinien in der Schweiz sehen vor, dass Personen über 85 (+ Leute über 75 mit Vorerkrankung) keinen ITS-Platz bekommen. Egal ob die Prognose sehr gut oder schlecht ist.» (Twitterperlen)

Gemäss Faktenckecker MIMIKAMA (4. November 2020) betreffen die Schweizer Richtlinien zur Triage nicht nur COVID-19 Patienten, sondern alle, die einen Platz auf der Intensivstation eines Spitals benötigen. Das allgemeine Ziel dieser Richtlinien ist, «möglichst viele Menschenleben zu retten und möglichst wenige Todesfälle zu haben. Sollte die Prognose also gut sein, werden auch Menschen über 85 Jahre aufgenommen, das Alter alleine ist kein Entscheidungskriterium.«

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Fälle Schweiz

Wasserfall am falschen Ort

Am 22. Juli 2020 erschien auf Facebook ein Video, das einen Wasserfall in Malaysia zeigen soll. In Wirklichkeit stammt diese Aufnahme aus dem Berner Oberland (Fotografin Sylvia Michel). Das Video ist folglich Fake, da es in einem falschen Kontext dargestellt worden ist. (boomlive.in, den 9. Juli 2020)

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Corona-Fakes und die Schweiz

Das Internet macht vor den Schweizer Grenzen nicht Halt. So bleibt auch die Schweizer Bevölkerung vor Halbwahrheiten, Verschwörungstheorien und Anpreisung von «Wundermitteln» und Kuren im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie nicht verschont.

Klassische Schweizer Medien als Gatekeeper

Unter anderem dank der Vertrauenswürdigkeit klassischer Schweizer Medien beschränken sich Fake News «made in Switzerland» auf wenige verfälschte oder fehlinterpretierte Statistiken.

Vereinzelt trifft man auch auf Prognosen, die auf ungesichertem Wissen basieren, und sich im Nachhinein denn auch als falsch bestätigen.

Verschwörungstheorien

Verschwörungstheoretiker allerdings nutzen die Verunsicherung und Emotionalisierung einer Pandemie aus, untergraben das Vertrauen in die Regierung und die Glaubwürdigkeit klassischer Medien, indem sie «selbst mit Fake News» (Nau.ch, 22. August 2020)

  • den Wahrheitsgehalt publizierter Aussagen zu den Auswirkungen und der Verbreitung des Coronavirus in Frage stellen,
  • die Pandemie mit einer saisonalen Grippe vergleichen und damit verniedlichen oder gar die Existenz des Virus verneinen sowie
  • Massnahmen zur Bekämpfung als unverhältnismässig verurteilen. (Nau.ch, 22. August 2020)

Solche im Netz und in «alternativen» Sites aus der Schweiz verbreiteten Verschwörungstheorien finden auch bei Schweizern Gehör. (Aargauer Zeitung, 27. Juni 2020) Gemäss einer Befrgaung der Zürcher Hochschule ZHAW aus dem Jahr 2019 war «bereits jeder dritte Minderjährige und Erwachsene ausgesprochen empfänglich für Verschwörungstheorien. Sie bejahten  beispielsweise Fragen wie: ‹Es gibt geheime Organisationen, die grossen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.› Oder: ‹Politiker und andere Führungspersönlichkeiten sind nur Marionetten der dahinterstehenden Mächte.'» (Sonntagszeitung, 8. November 2020, S. 11)

Polarisierung und Demonstrationen
Lockdown-Demo vor Bundeshaus Bern (watson.ch, 26.Juni 2020)

Empörung, Randalierereien und Protestaktionen wie Demonstrationen sind die Folge von in Echokammern widerhallenden Behauptungen wider besseres Wissen.  (mimikama, 3. September 2020) Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule ZHAW, befürchtet, dass sich diese Situation mit der 2. Welle noch zuspitzt: «Die Bewegung der Verschwörungstheoretiker könnte künftig noch mehr Zulauf erhalten.» (Sonntagszeitung, 8. November 2020, S. 11)

Offensichtlich zieht man hier unter den Bannern von Grundrechten wie Freiheit, Meinungsäusserungsfreiheit und Gesundheit in die Schlacht und untergräbt dabei das Fundament, das diese Grundrechte überhaupt erst ermöglicht: die Wahrheit.

Impfgegner polarisieren und hetzen

Auch in der Schweiz sorgt das Impfen für Diskussionsstoff und polarisiert die Bevölkerung. In Aargauer Schulen, in denen mobile Impfteams den Schülern den Gang zum Impfen erleichtern, kursierte ein Flyer mit Falschinformationen zu Nebenwirkungen des Impfstoffs.

 

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Fälle Schweiz

Zürcher Gokart-Gang: «Der wilde Werner»

„Jetzt müssen wir alle ganz stark sein: Es gibt sie nicht, die irre Gokart-Gang, die das nächtliche Zürich unsicher macht. Es gibt keine gepimpten Rides, keine Rennen mit anschliessenden Raves, keinen neuen Underground-Trend. Die Videos davon wurden von zwei Cast-Studenten der ZHdK produziert, verfälscht und gezielt medial verbreitet – als Bachelor-Abschlussarbeit.“ (Rafaela Roth, www.watson.ch)